Die Corona-Krise mit ihren vielen Beschränkungen im Wirtschaftsleben zwingt viele Betriebe neu zu denken. Manches davon ist als Notprogramm gedacht – könnte aber nach der Krise beibehalten werden und einen wichtigen Wettbewerbsvorteil bringen. Unternehmensberater Christian G. Majer hat sich angesehen, was das Gute an der derzeitigen Krise ist und welche Aspekte wir auch danach positiv nützen könnten. Vor allem in dem nun notwendig gewordenen Digitalisierungsgrad sieht er große Chancen.

Die Digitalisierung bietet kurz- und langfristig Chancen

Unternehmen können sich nun fragen: Was bedeutet die Krise für mein Geschäftsmodell? Welche neuen Gelegenheiten tun sich auf? Was kann ich auf digital umstellen? Und welche Prozesse muss ich ändern oder neu machen?

Bestellungen via Internet und Zustelldienste profitieren zurzeit von der virulenten Situation. Virtual Reality ist zwar sicher nicht das Allheilmittel, aber vielleicht eine gangbare Alternative, um den vielen Menschen in Quarantäne etwas zu bieten, z.B. virtuelle Erlebnisse for Home-Cocooning. Denn wir wollen weiterhin versorgt sein mit Lebensmitteln, ärztlicher Betreuung, Bildung, Kultur u.s.w. Das ist die Chance, sich digital neu zu erfinden oder sein Angebot um eine digitale Ausprägung zu ergänzen.

„New Work” kann auch nach der Krise nützlich sein

Derzeit arbeiten hunderttausende Menschen von zuhause aus. Sie lernen, effektive Time-Slots zu organisieren, innerhalb derer sie ungestört arbeiten können. Dazwischen gibt es Entspannung, Pausen, Erledigung notwendiger privater Heimarbeiten.

Die meisten MitarbeiterInnen sind neugierig und interessiert, wollen sich auch von zuhause aus einbringen, zum Erfolg des Unternehmens beitragen und Verantwortung übernehmen. Führungskräfte können hier als Impulsgeber agieren, als ErmöglicherInnen von Neuem, aber auch als UnterbrecherInnen von Routinen. Es besteht nun die Chance, MitarbeiterInnen Selbstverantwortung für den operativen Betrieb von zuhause aus zu übertragen und sie in die digitale Erneuerung des Unternehmens einzubinden.

MitarbeiterInnen haben die Chance, sich zu beweisen

MitarbeiterInnen sind nun gefordert, ihre operative Performance in der Heimarbeit unter Beweis zu stellen und auch für ihre jeweiligen ChefInnen transparent zu dokumentieren. Vorgesetzte sind nicht so naiv zu glauben, dass alle MitarbeiterInnen immer nur produktiv sind. Und immer weniger glauben, dass Arbeitszeit gleich Leistungserbringung ist. Daher ist nun eine gute Gelegenheit zu beweisen, dass entsprechender Output und effektiver Outcome auch selbstorganisiert und eigenverantwortlich von reifen MitarbeiterInnen erbracht werden kann und man zum Unternehmen steht. Gut ist auch, E-Learning-Angebote zu nutzen, die Ergebnisse der Führungskraft zu präsentieren und so das organisatorische Lernen aktiv zu fördern.

Regionale Angebote bekommen eine neue Bedeutung

Die Globalisierung wird nicht zurückgedreht werden, doch durch den derzeit verstärkten Fokus auf regionale Angebote könnten auch langfristig die Warenströme überdacht und nachjustiert werden – inklusive der zugrundeliegenden Logistik. Es könnten regionale Clusterbildungen forciert werden, ebenso die Wiederbelebung von Grätzeln und Dorfstrukturen – also von kleinen Systemen im großen System. Denn durch die Corona-Krise ist das Bewusstsein für die Entkoppelung direkter Abhängigkeiten und das Auflösen fragiler Systeme gestiegen. Eine Vorreiterrolle könnte eine faire Verrechnung von Transportkosten darstellen, aber auch die forcierte Nachfrage heimischer Produkte und Förderung heimischer Produktion.

Aus- und Weiterbildung bekommt einen Innovationsschub

Krisen sind dazu da, etwas zu tun, das man bisher aufgeschoben hat. Etwa Distance-Learning im großen Stil. Nun ist die Chance, den sogenannten Flipped-Classroom zu leben. Eigenständiges Erarbeiten von Lerninhalten aus E-Books, Video-Streams und Podcasts, Bearbeitung und Reflexion via Video-Konferenz abwechselnd in virtuellen Kleingruppen sowie Präsentationen und Conclusio im digitalen Plenum – und vieles mehr. Nicht so einfach wie gewohnte Präsenz-Settings, die man in Schulen, Unis oder in der Erwachsenenbildung gewohnt ist. Denn es fehlt der gewohnte Face-to-face-Kontakt, dadurch greifen die üblichen Mechanismen zur Verständniskontrolle in der Kommunikation nicht so gut. Aber es ist machbar und ein echter Innovationsschub.

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Gastautor Dr. Christian Majer ist Leiter des majer-rejam The Performance Institute und Organisationsberater sowie Coach für integrierte Management-Systeme.

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