Zwischen Wodka und Rubel: Trotz der Nähe zu Westeuropa sind die kulturellen Unterschiede in Russland sehr groß. Tipps, wie Sie Ihre russischen Geschäftspartner/-innen besser verstehen.

Russen/-innen gelten als kontaktfreudig und offen, doch Geschäfte werden in Russland nicht von heute auf morgen gemacht. Den eigentlichen Verhandlungen geht oft ein reger Schriftwechsel voraus. Auch gibt es zunächst einmal eine Reihe ausführlicher Treffen. Denn für Russen/-innen ist es sehr wichtig, ihre möglichen Geschäftspartner/-innen zunächst besser kennenzulernen. Im Arbeitsalltag halten Russen/-innen ihr Arbeits- und Privatleben kaum auseinander. „Wenn Sie mit Russen/-innen Business machen, dann gehören Sie oft gleich zur Familie“, sagt MMag. Andrianna Meschko, die für das WIFI Wien Russisch-Sprachkurse hält. „Wundern Sie sich nicht, dass Sie zur Hochzeit eingeladen werden, wenn der Sohn Ihres russischen Geschäftspartners heiratet, obwohl Sie Ihren Geschäftspartner erst seit Kurzem kennen.“

Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft

Bei Einladungen empfiehlt es sich, dem/der Gastgeber/-in ein Geschenk mitzubringen. Kleinigkeiten wie Blumen, Schokolade oder auch ein Spielzeug für die Kleinen sind gern gesehen. Generell sollte das Präsent qualitativ hochwertig sein. Regionale Spezialitäten und Produkte „Made in Austria“ kommen dabei besonders gut an. Auf alle Fälle sollten Sie nicht mit leeren Händen erscheinen. Auch das Ablehnen eines Trinkspruchs gilt generell als unhöflich. Das Vorurteil vom ständigen Wodkatrinken in Russland ist zumindest im Geschäftsleben längst überholt. Dennoch ist das Aussprechen von Trinksprüchen in Russland ein wichtiges Ritual. Wer Alkohol nicht gewohnt ist, sollte lediglich bei den Toasts mittrinken. Überlegen Sie sich deshalb rechtzeitig einen passenden Trinkspruch, der den/ die russische/-n Gastgeber/-in positiv herausstellt, und Sie werden sehen: Das schafft ein gutes Klima für spätere Verhandlungen!

Ein russisches Lächeln kann nur aufrichtig sein

Der größte Unterschied in der interkulturellen Kommunikation liegt in der Mimik, besonders in der Art zu lächeln. Russen/-innen wird oft nachgesagt, sie lächelten selten. Sie gelten als reserviert, unterkühlt und auch etwas barsch. Doch der Schein trügt. „Russen/-innen sind am Anfang sehr misstrauisch, aber wenn man sie richtig kennenlernt, wird man staunen, wie offen und herzlich sie sind“, sagt MMag. Andrianna Meschko. Dann ist von einer distanzierten Haltung nichts mehr zu spüren.

Handschlag oder Bruderkuss?

Beim ersten Kontakt sind zur Begrüßung Händedruck sowie die Anrede mit Herr („Gospodin“) oder Frau („Gosposcha“) und dem Familiennamen üblich. Ist der Kontakt formeller Art, wird die Person mit Vor- und Vaternamen angesprochen. Das setzt aber voraus, den Namen des Vaters vorher in Erfahrung gebracht zu haben. Dieser Aufwand lohnt sich, denn auf Höflichkeit und die korrekte Anrede wird in Russland viel Wert gelegt. Gut zu wissen: Händeschütteln ist nur unter Männern üblich, Frauen werden lediglich mit einem charmanten Lächeln begrüßt. Und den Bruderkuss gibt es nur für eng befreundete Männer und Verwandte.

Mit Vitamin B zum Erfolg

Für Russen/-innen sind Geschäftsverhandlungen personenorientiert. Im Gespräch ist es sehr wichtig, das Gesicht zu wahren und sein Gegenüber zu respektieren. Zu ausgeprägte Kompromissbereitschaft wird oft als Schwäche gedeutet, zu offen gezeigte Stärke schürt Misstrauen. MMag. Andrianna Meschko: „Achtung: Russen/-innen versprechen manchmal mehr, als sie dann einhalten können.“ Es muss einem daher bewusst sein, dass selbst schriftliche Vereinbarungen von russischen Geschäftspartnern/-innen nicht immer erfüllt werden. „Da zählt mehr der Handschlag sowie das ‚Vitamin B‘, so die Expertin. „Ich habe da einen Freund in Moskau …“ Und plötzlich läuft alles wie geschmiert.

 

So punkten Sie bei russischen Geschäftspartnern/-innen!
7 Tipps von MMag. Andrianna Meschko

1. Lernen Sie die russische Sprache. Das Beherrschen grundlegender Russischkenntnisse ist eine ungeschriebene Regel für erfolgreiche Geschäfte in Russland.

2. Achten Sie darauf, dass Ihre Webseite und Ihr Warenkatalog auch auf Russisch übersetzt sind.

3. Ideal ist ein/-e russischsprechende/-r Mitarbeiter/-in, damit Sie Ihren russischen Kunden/-innen auch eine gute Nachbetreuung anbieten können.

4. Gute Kontakte und Empfehlungen sind wichtiger als ein schriftlicher Vertrag.

5. In Russland wird sehr hoher Wert auf die Kenntnisse der Weltliteratur gelegt. Allgemeine Kenntnisse der russischen Literatur und vor allem ein paar Schlagwörter auf Russisch können Wunder bewirken!

6. Laden Sie Ihre russischen Kunden/-innen oft ein und machen Sie kleine Geschenke! Ein wichtiger Feiertag in Russland ist der Weltfrauentag am 8. März. Ihre russischen Geschäftspartnerinnen und Kolleginnen freuen sich da über einen Strauß frischer Blumen.

7. Russische Geschäftspartner/-innen möchten auf ihre Anfragen sehr schnell eine Antwort bekommen. Sie werden leicht ungeduldig, wenn die Antwort zu lange auf sich warten lässt.

MMag. Andrianna Meschko studierte Germanistik und Slawistik und ist seit über 10 Jahren Russischtrainerin für A1 – B2. Sie zeichnet sich durch einen vielfältigen Methodenmix aus und integriert auch die interkulturelle Kompetenz in die Trainings.

Interkulturelle Kompetenz wird in unserer globalen Wirtschaftswelt immer wichtiger. Daher bieten wir neue Kurse an, die von Trainern/-innen, die mit der jeweiligen Kultur und Bräuchen des Geschäftslebens gut vertraut sind, geleitet werden. Bereiten Sie sich vor, z. B. für interkulturelle Kompetenz im arabischen Raum, für China, Russland, Großbritannien u. v. m. Hier geht’s zum Programmüberblick>>>

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