Für Menschen mit Faible für Fashion, die selbstständig wie kreativ arbeiten und dabei die Welt bereisen wollen, könnte Fashion Stylist der passende Beruf sein. Das WIFI Wien bietet ein einzigartiges Ausbildungspaket für dieses Ziel. Ein Portrait gibt Einblicke in den Job und Karriereweg des Stylisten und Modejournalisten Thomas Reinberger.

Etablierte Stylisten/-innen realisieren Shootings für Magazine oder statten Celebrities aus. Was oft nach außen attraktiv wirkt, erfordert auch harte Arbeit und fundiertes Know-how. „Neben Organisationstalent, Fremdsprachenkenntnissen und Flexibilität bedarf es eines globalen Netzwerks aus PR-Agenturen, Boutiquen und Kostümarchiven“, weiß Thomas Reinberger, zu dessen Kunden Markenunternehmen, Magazine und Celebrities, u.a. auch Conchita, zählen.

Auf zur Fashion week

Schon seit früher Kindheit durchstöberte er Hochglanzmagazine und träumte von einer Arbeit im Modegeschäft. Bodenständig aufgewachsen, schlug der Niederösterreicher seinen Eltern zuliebe jedoch zuerst einen „handfesten“ Ausbildungsweg ein und absolvierte die Handelsakademie. Schon nach kurzer erster Berufstätigkeit im Handel und bei Filmproduktionen war klar, dass hier sein ideenreicher Charakter nicht glücklich werden würde. Er kündigte und flog nach Paris.

Mit Fleiß und Demut ans Ziel

Am richtigen Ort zur richtigen Zeit, bekam er die Chance, an der Pariser Fashion Week teilzunehmen. „Da gehöre ich hin!“, trat der einstige Karrierewunsch wieder ins Rampenlicht. Sofort schrieb er eine Bewerbung an die damals bekannteste Agentur für Stylisten. Als Quereinsteiger überzeugte er mit Motivation, Persönlichkeit und dem Willen, alles zu lernen, was man in der Branche wissen muss, sowie dem Bewusstsein, dass dieser Job auch eine gute Portion Fleiß und Demut braucht. Er konnte die Branche von Grund auf kennen lernen und viel von anderen Profis lernen. Für diese Chance ist er heute noch dankbar und nimmt nichts als selbstverständlich hin.

Selbstständig und inspiriert

„Durch meine wirtschaftliche Schulausbildung hatte ich Vorteile und war gut für eine selbstständige Tätigkeit vorbereitet“, sagt er heute, glücklich über diese Basis. Er wollte immer über Grenzen hinausgehen, sein Potenzial entfalten und steckte sich regelmäßig neue Ziele. „Neugier, Mut zum Ausprobieren und das Vertrauen darauf, dass man alles, was man will, auch lernen kann, ziehen sich durch meinen Karriereverlauf“, reflektiert Reinberger.

Kreativ, kommunikativ, kooperativ

Zu Beginn seiner Laufbahn musste auch er jeden Auftrag annehmen, um Erfahrung zu sammeln. „Werbeproduktionen waren und sind die bestbezahlten Jobs“, sagt er. Kreativ entfalten war damals weniger möglich, denn es galt, „sich immer ganz klar an die Kundenanforderungen zu halten“. Doch möchte er diese Zeit nicht missen, die ihn Disziplin und Serviceorientierung lehrte. Heute jedoch ist er bei seinem „Herzblutjob“ angelangt, mit kreativem eigenem Handlungsspielraum. „Jetzt kann ich mich und meine Ideen entfalten und Geschichten erzählen“, mit dem Luxus, sich Kunden/-innen gezielt auszusuchen. Das geschehe nicht bloß aus Egoismus. Es sei wichtig, dass die Chemie und stilistische Vorstellungen übereinstimmen, sonst könne man den/die Kunden/-in nicht zufriedenstellen.

Neugierig und selbstbewusst

Sein „Dauerkopfkino“ – wie er es liebevoll bezeichnet – leitet ihn, sich ständig neu zu erfinden, Neues zu probieren und sich Zusatzkompetenzen anzueignen. Seine Laufbahn entwickelte sich wie ein Stein, der im Wasser seine Wellen immer weiter schlägt. So kam er, durch einen Auftraggeber motiviert, auch zu dem Zweitjob als Modejournalist. Obwohl er sich das selbst nicht zutraute, stellte sich heraus, dass er ein „Händchen“ dafür hat und ihm diese Ergänzung viel Erfüllung bringt. Zu seinem Repertoire zählen Personal Styling, die Begleitung von Bräuten bei Kleiderwahl und Styling bis zur Vorbereitung von Celebrities für den Red Carpet oder die Koordination von Shootings und Videoproduktionen.

Chance für Modebegeisterte

Ein reguliertes Gewerbe oder Berufsbild ist „Fashion Stylist“ nicht. Die meisten sind selbstständig tätig. Vorschriften, was man können sollte, gibt es nicht. Daher bringt jeder unterschiedliche Qualitäten in den Job ein. Fortbildungen und Training on the Job schärfen das Profil. „Ich möchte es Newcomern leichter machen und meinen gesamten Erfahrungsschatz weitergeben. Jeder soll sich das mitnehmen können, was er braucht“, so Reinberger über seine Motivation, diesen Lehrgang anzubieten. „Viele Wege führen nach Rom, jeder kann und muss in dieser Branche seinen individuellen Weg finden. Ebenso wie es nicht die ultimative Biker-Jacke gibt, ist das auch bei Stylisten/-innen, der Typ muss einfach zum/zur Kunden/-in passen.“

Kleiner Markt mit viel Potenzial

In Österreich ist der Markt überschaubar, trotzdem seien die Möglichkeiten, bei internationalen Produktionen mitzuarbeiten, vielfältig. „Viel läuft mit Auftraggebern/-innen im Inland. Die Produktionen finden dann vielerorts statt. Man erlebt mehr als in anderen Jobs“, erzählt Reinberger. Eigenschaften wie Ausdauer helfen dem Erfolg. „Shootings dauern eben so lange, wie sie dauern“, berichtet Reinberger. Besonders wichtig sei es, ein guter Teamplayer zu sein. Hands-on-Mentalität und lösungsorientiertes Arbeiten sind ebenso nützlich wie die Fähigkeit, ein Vertrauensverhältnis zu Kunden/-innen aufzubauen. „Man kommt in eine private Zone, wenn man zu Hause mit dem/der Kunden/-in seine/ihre Garderobe begutachtet. Menschenkenntnis und Empathie unterstützen dabei, den Stil der Kunden/-innen zu treffen“ erklärt der Stylist.

Thomas Reinberger, Stylist und Modejournalist, Teamplayer, Freigeist und Weltenbummler mit Hang zu japanischer Historie. instagram.com/thomas.reinberger

Bildcredits: (c) Thomas Reinberger