An Festtagen und zu feierlichen Anlässen wird besonders gerne zu Sekt und Co. gegriffen. Doch Schaumwein kann viel mehr. Prof. Dr. Walter Kutscher, Dipl. Sommelier und Lehrgangsleiter der Ausbildung zum „Sparkling Wine Connaisseur“, erzählt im Gespräch, wann uns Schaumwein sonst noch erfreuen kann, was sich am heimischen Sektmarkt tut und welche Trends wir in diesem Bereich erwarten können.

Prof. Kutscher, Schaumweine sind bei uns vor allem rund um feierliche Anlässe sehr beliebt. Was kann uns Schaumwein sonst noch bieten?

In der Regel wird bei uns zwischen dem Tag des Sekts, der am 22. Oktober ist, bis hin zu Silvester der meiste Schaumwein konsumiert – in etwa 45 Prozent. Doch Schaumwein ist weitaus vielseitiger. Neben der Verwendung als Anlassgetränk für Festlichkeiten oder als Aperitif, lässt er sich auch als Speisenbegleiter wunderbar positionieren. Wer selbst schon einmal ein gesamtes Menü mit Sektbegleitung probiert hat, der konnte sicher feststellen, dass man sich danach viel leichter fühlt, als nach schweren und kräftigen Weiß- oder Rotweinen.

Nach der Wiedereinführung der Sektsteuer hat der Markt einen ziemlichen Dämpfer bekommen. Was tut sich derzeit gerade am heimischen Sektmarkt?

In Österreich ist zurzeit eine starke Aufbruchsstimmung im Bereich Schaumwein zu beobachten. Mit der österreichischen Qualitäts-Sektpyramide haben wir hier ein neues, dreistufiges Qualitätsprinzip für den heimischen Sektsektor ins Leben gerufen. Kriterien dafür sind der geschützte Ursprung und die geprüfte Qualität. Wir haben also sehr strenge Regelungen, die sich an der Champagne und der Franciacorta orientieren. Für den Konsumenten bedeutet das: Mehr Qualität und das Wissen, was eigentlich ein Österreichischer Sekt ist; im Unterschied zu anderen Bezeichnungen.

Im Vergleich mit internationalen Produkten: Wie schneidet der österreichische Sekt ab?

Der österreichische Sekt deckt die Vielfalt an Sorten und Geschmacksrichtungen sehr gut ab. Wir sind damit absolut auf Augenhöhe mit internationalen Produkten und können, beispielsweise mit einem Champagner, durchaus mithalten.

Wenn man seinen Gästen etwas ganz besonderes anbieten möchte, was würden Sie empfehlen?

Ich habe für Gault Millau alle Österreichischen Sekte verkostet. Der beste war der Blanc de Blancs vom Weingut Schloss Gobelsburg. Wenn sich jemand elitär verhalten will und die große Brieftasche hat, dann würde ich etwas aus dem Millésimé-Bereich empfehlen, also einen Jahrgangs-Champagner bzw. Prestige-Cuvées. Das sind dann aber schon Produkte, die deutlich über 100 Euro kosten.

Zum Abschluss noch ein kurzer Blick in die Zukunft: Was sind die großen Trends im Bereich Schaumwein?

Unvermindert gibt es einen Trend zu Rosé Sekt, wobei Österreich hier aber noch etwas Aufholbedarf hat. Ebenso sind naturtrübe Produkte, also eigentlich die Urform des Schaumweins, in der Gastronomie immer mehr im Kommen. Auf der anderen Seite sind auch fruchtige, weinige Sekte mit Sortencharakter als wichtiger Trend zu beobachten sowie, insbesondere bei innovativen Produzenten, betont trockene Produkte, also mit wenig bis gar keiner Dosage. Auf jeden Fall denke ich, dass das Bewusstsein für Qualität beim österreichischen Schaumwein steigt. Und ich glaube: So wie es das Weinwunder gegeben hat, wird es auch das österreichische Sektwunder geben!

Herzlichen Dank für das Gespräch!

 

Wer sich näher mit der prickelnden Materie des Schaumweins befassen möchte, der ist in der Ausbildung zum „Sparkling Wine Connaisseur“ genau richtig. Personen, die bereits die Prüfung zum Sommelier Österreich oder zum Diplom-Sommelier abgelegt haben, erhalten nach bestandener Prüfung das Diplom „Sparkling Wine Sommelier/Sommelière“.

 

 

 

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